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Version 1.09.02
© ZeitLebensZeiten
2007 ff.
 

Bilse bis 1612

Die Familie Bilse, soviel steht fest, ist in Birkenbringhausen alteingesessen und zum Beginn des 16. Jahrhunderts, also noch vor Einführung der Kirchenbücher, eindeutig nachweisbar. Nur die genaue Generationenfolge wird wohl offen bleiben.

Im „Burgwald-Brief“, dem 1971 gegründeten Evangelische Gemeindebote für die Kirchspiele Bottendorf, Rosenthal und Wiesenfeld, schrieb im Februar 1978 der langjährige Gemeindepfarrer Pfarrer Dr. Gustav Hammann

„… Bilse. Dieser höchst seltene Familienname kam früher in Birkenbringhausen vor, wo er noch als Hausname besteht. Für seine Deutung kommt einmal das aus dem altsächsischen bil stammende Wort Beil infrage, das ist ursprünglich das Schwert. Danach wäre Bilse eines der zahlreichen germanischen Worte für einen streitbaren Krieger. Zum andern – und diese Erklärung dürfte die richtige sein – ist Bilse oder das Bilsenkraut eine Pflanze, die sehr giftig und daher als Heilpflanze sehr gut zu gebrauchen ist. Demnach wäre der erste, der den Namen Bilse von seinen Mitbürgern erhielt, ein „giftiger Mensch“ gewesen, mit dem seine Umwelt nicht so leicht zurecht kam. Der alte Vers erinnert an solch ein giftiges Mädchen, das vermutlich eine spitze Zunge hatte: „Ilse, Bilse, keiner will se, kam der Koch und nahm se doch“. Ob und warum nun der gerade der Koch der Mann war, der mit der spröden Schönen fertig wurde, läßt sich nicht mehr sagen. Außer in Birkenbringhausen, wo uns der Name schon frühzeitig begegnet, kam er auch in Liegnitz-Schlesien vor. Ein Musiker Bilse von dort wurde Dirigent und Kapellmeister in Berlin.“ [Quelle: U. Stöhr, 9.2.2013]

Eine Übersicht über die Bewohner von Bringhausen [BBH S. 54] nennt immerhin für 1512 erstmals einen „Hermann Bilßen“

1286
Pfarrer Wiegand (auch 1290)
Heinrich Brinkener
Rudolph von Rückhausen

1500
Bernt von Bringhausen
Hermann Scheffers (Sceffirs) d. Ä. mit Frau Elschen
Heinrich Rauschenberg (Russinberge) mit Frau Merge

1503
Geliche, die Witwe Pau]s ('?)

1512
Hermann Bilßen

1516
Hermann Scheffer d. Ä. und Frau Elschen

usf.

Es gab 1547 eine Elisabeth Bilse, 1558 und 1568 einen Till /Thiel und einen Hen Bilse, 1596 einen Henchen Bilse und einen Henn Bilse.

Einige weitere  Angaben zur Familie Bilse aus frühen Dokumenten vor dem 30jährigen Krieg , die  Ulrich Stöhr (kursiv gesetzt, ohne weitere Quellenangabe) herausgefunden hat.

1547
Aus dem Jahr 1547 stammt ein "Schatzungsregister" (eine Art Steuerliste) der Gemeinden Brinkhausen, Eifa und Hatzfeld, die sämtlich unter der Botmäßigkeit derer von Hatzfeld standen. Aus "Brunckusen" erfahren wir, dass "Bilsen Elsabet ir Gut" mit 60 Gulden geschätzt wurde (StAM 17 I Nr. 3932).

1558
Aus dem Jahr 1558 stammt das "Forstregister zu Wolckerdorff". Es führt u. a. die Einnahmen der landgräflichen Forstverwaltung auf; danach bezogen 14 Einwohner zu B. 'Klafterholz' aus dem Burgwald, darunter "Bilsen Thiele" für 5 Albus 7 1/2 Heller; derselbe bezahlte für "Reißholtz" (Reisig) einen halben Albus.

1568
Ein weiteres Forstregister aus dem Jahr 1568 nennt "Bilßen Thill" als Abnehmer von 6 Wagen "Lagerholz", wofür er 9 Albus entrichtete (StAM Rechnungen II Wolkersdorf 9).
 

1577
Ganz offensichtlich hatte einer der Bilse-Vorfahren ein Kirchengut von Kloster Haina als Lehen bekommen. 

    Haina liegt im Landkreis Waldeck-Frankenberg südlich von Frankenberg und östlich des Burgwaldes am Südwesthang des Kellerwalds. Es befindet sich an der Wohra unweit westlich vom Hohen Lohr.

    Haina grenzt im Nordwesten an die Stadt Frankenau, im Nordosten an die Stadt Bad Wildungen (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg), im Osten an die Gemeinde Bad Zwesten, im Südosten an die Gemeinden Jesberg und Gilserberg (alle drei im Schwalm-Eder-Kreis), im Süden an die Stadt Gemünden, sowie im Westen an die Gemeinde Burgwald und die Stadt Frankenberg (alle drei im Landkreis Waldeck-Frankenberg)...

    Das ehemalige Zisterzienserkloster in Haina ist eine der bedeutendsten gotischen Klosteranlagen Hessens. Kloster Haina wurde von Mönchen aus dem Kloster Altenberg im Bergischen Land errichtet. 1144 hatten sie sich auf der Aulesburg bei Löhlbach niedergelassen und waren 70 Jahre später nach Haina umgezogen.

    Durch Schenkungen, Kauf und Tausch erwarben die Hainaer Zisterzienser reichen Grundbesitz, von der Weser bis zum Main. 1527 wurde das Kloster durch Landgraf Philipp von Hessen aufgehoben und in ein Landeshospital umgewandelt. Im ehemaligen Kloster befindet sich heute ein Psychiatrisches Krankenhaus. 1789 errichtete der Obervorsteher der Anstalt, Friedrich von Stamford, den Stamfordschen Garten...[de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=106025824]

    [...]Nach der Gründung eines Benediktinerklosters auf der Aulesburg um 1140 bei dem Dorf Löhlbach durch Graf Poppo I. von Reichenbach und seinen Schwiegersohn Volkwin II. von Schwalenberg wurde das Kloster 1150 dem Zisterzienserkloster Kamp am Niederrhein übergeben. Drei Konvente aus Kamp versuchten nacheinander vergeblich, das Kloster an dieser Stelle auf eine tragfähige Basis zu stellen, zogen dann aber wieder ab. Da auch die Klärung der rechtlichen Voraussetzungen erforderte, erfolgte die eigentliche Klostergründung erst im Jahr 1188, als die Zisterzienserabtei auf der Aulesburg als vierte Tochter der Zisterze Altenberg bei Köln gegründet wurde.

    Im Jahre 1201 erwarb der Konvent durch Kauf- und Tauschverträge den gesamten Haus- und Grundbesitz des Dorfs Haina in dem rund 4 Kilometer entfernten milderen Talkessel an der Wohra vor dem Hainaer Gebirge.

    Das Dorf wurde aufgelöst und in ein von dem Mönchen bewirtschaftetes Klostergut umgewandelt. Die sechs bisher dort ansässigen Bauernfamilien erhielten Klosterland in anderen Dörfern und Geldabfindungen zum Aufbau neuer Höfe...

    Die Mönche erwarben im Laufe der Zeit durch Schenkungen, Tausch und Handel einen weit reichenden Streubesitz, der von der Weser bis zum Main und zur Kinzig reichte...

    Landgraf Philipp I. löste das Kloster nach der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen auf und stiftete im August 1533 in Haina eines von vier Hohen Hospitälern für die arme Landbevölkerung in seinem Land, eines der beiden für Männer.

    Dabei blieb dem Hospital der gesamte einstige Klosterbesitz erhalten, damit aus deren Erträgen die Kosten bestritten werden konnten. Der Landgraf weihte am 26. August [1533], von Kassel kommend, das Landeshospital Merxhausen für weibliche Kranke ein und reiste anschließend nach Haina weiter, wo er das Landeshospital für Männer einweihte.[Quelle: de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=108478831]

Zu den speziellen Kirchengütern in Birkenbringhausen heißt es im Jubiläumsband Birkenbringhausen unter anderem:

    Es läßt sich somit nur aus späteren Quellen auf frühere Verhältnisse zurückschließen, was seine Berechtigung darin findet, daß kirchlicher Besitz im allgemeinen lange stabil geblieben ist und selten veräußert wurde.

    Das älteste bekannte Güterverzeichnis über das, „was vor gütter zur Kirchen Brinckhausen gehörigk“, stammt aus dem Jahr 1577. Wir erfahren daraus, daß die Kirche über einen Besitz von sieben Wiesen, drei Äckern, zwei Gärten und drei Gärten „undt hoffreide“ verfügt. Daraus fließen ihr jährlich ein Naturalertrag von acht Mesten (ca. 120 kg Getreide) und an Zinsen 7 Gulden und ein halber Albus zu. Namentlich bezeichnet ist eine Wiese am „Mittelwehr“, ein „Leyser Acker“, die „Heiligenwiese“ und eine Wiese zu Rennertehausen.

    Als Pächter erscheinen u.a. Theiß Scheffer, Hartmann Henchen, Johann Hess, Henn Schneider, Henn Bilse, Hermann Schneider, Jost Scheffer.

    Leider sind nicht alle Kirchengüter mit den Gemarkungsnamen benannt. Aus den Kirchenkastenrechnungen, die seit 1608 erhalten sind und aus einem „Inventarium über das Kirchen- und Pfarrei vermögen des Kirchspiels Bottendorf“ von 1838 lassen sich folgende Grundstücke anführen, die der Kirche zu Bringhausen zinspflichtig und alle acht Jahre lehnbar sind:

    Der „Heiligenacker“, die „Hinterhecke an der Steede“, die „Heiligenwiese“, die „Ebenwiese“, eine Wiese „im Stein“ genannt, eine Wiese, das „Mittelwehr“ genannt, der „Baumgarten“, eine Wiese und Garten, der „Feygenhof’ genannt, die „Rückhäuser Wiesen“ und mehrere Wiesen in der Gemarkung Rennertehausen....

    Die Bezeichnungen „Heiligenacker“ und „Heiligenwiese“ weisen auf altes Kirchen- bzw. Kastengut hin, das sich Stiftungen verdankt und vom „Heiligenmeister“ (Kastenmeister) verwaltet wurde....

    Die „Klosterwiese“ zwischen der Eder und dem Mühlgraben der Hatzbachmühle hat früher zum Kloster Haina gehört...

    Die meisten dieser Grundstücke sind zum Kirchengut zu rechnen. [Ulrich Schnell, von der Frühzeit bis zum Mittelalter In Birkenbringhausen, Birkenbringhausen 1994= BBH S. 76f,]

Henn Bilse hatte also 1577 eine oder mehrere Lehensflächen der Kirche Birkenbringhausen. Ob es wohl die Klosterwiese war?
 

1586
Das landgräfliche "Salbuch" von 1586 (StAM S 219) führt u. a. die der Leibeigenschaft unterworfenen Einwohner des Amtes Battenberg auf, dem B.-bringhausen damals zugerechnet wurde.

Die Leibeigenen-Bede d. h. Abgabe war nach denjenigen hessischen Ämtern benannt, aus denen (in der Regel) die Leibeigenen oder ihre Vorfahren stammten, z. B. fielen Hen Bilse und Tiel Bilse in die Blankensteinische Bede (genannt nach dem Amt Blankenstein). 1586 zahlte Tiel seit 18, Hen seit 15 Jahren diese Bede. Es dürfte dies auch die Anzahl von Jahren sein, seitdem sie verheiratet waren, also Tiel seit 1568 Hen seit 1571. Über die Identität dieses Tiel mit denen von 1558 und 1568 [ist] vorerst nichts zu sagen.
 

1596
[...] jünger ist ein Register zu Erhebung der Türkensteuer für Stadt und Amt Battenberg (StAM 74 Nr. 22), 1596 wurden - zum wiederholten Male - im Reich Geldmittel zwecks Zurückdämmung der Osmanen zusammengebracht. Das Vermögen des Henchen "Bilße" wurde seinerzeit mit insgesamt 70 Gulden veranschlagt. Henchen ist übrigens eine Nebenform von Johannes, genauer eine Verkleinerungsform von Henn. In diesem Fall wurde das Diminutivum wohl zur Unterscheidung von Henn Bilse gebraucht, der im Gegensatz zu Henchen B. zu den 'Einläuftigen' zählte; ihr Hab und Gut ist nicht geschätzt worden, sie gaben wohl jeder grundsätzlich 1 Batzen an Steuer. Offensichtlich gehörten die beiden Bilse unterschiedlichen sozialen Schichten an.

Steuerlich veranlagt wurde jeder, der Grundbesitz und/oder ein Gespann hatte, aber auch die Einläuftigen, d.h. die Besitzlosen, die Armen des Dorfes. Sie mußten jeder I Batzen (kleine Silbermünze) geben.

Aus dem Türkensteuerregister erfahren wir nicht nur die Namen der Bringhäuser Familienoberhäupter in 1596, sondern erhalten durch die Nennung der steuerlichen Abgabenauch Informationen über die soziale Stellung und den Reichtum der einzelnen Familien.
 

1619
1619 - kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges - wurde bei einer ständischen Zusammenkunft in Marburg eine Landrettungssteuer verabschiedet. In "Brinckhausen" wurde Henchen Bilse wiederum mit 70 Gulden veranlagt (StAM Rechnungen II Battenberg 16).

Auffällig ist, dass zwischen der Abfolge der Namen 1596 und 1619 eine große Übereinstimmung besteht. Z. B.
1596: Heinz Rein, Henchen Bilse, Henrich Clemen, Hans Reese, Hans Schmidt, Hans Engel, Hermann Junghenn,
1619: Johann Rein, Henrich Cleman, Hans Rees, Henchen Bilse, Hasn Schmidt, Hans Engel, Barba Junghens. Allein H. Bilse "tanzt" hier ein wenig aus der Reihe.

Ganz offenkundig sind in beiden Jahren die Steuerpflichtigen nach einer bestimmten Reihenfolge erfasst worden; fraglich ist nur, wo wir uns gerade befinden: Oberdorf, um die Kirche herum, Unterdorf? Mein Tipp: Oberdorf, aber das ist nur eine Vermutung.

 

Ob es sich bei den bisher genannten und nachfolgend gelisteten Bilses um Vorfahren der nachfolgend aufgelisteten Vorfahren Bilse handelt, kann nur vermutet werden. Klare Beweise sind nicht bekannt.
 

I.

Der 1512 genannte Hermann Bilse könnte Vater oder (vor 1547 verstorbener) Ehemann von nachfolgender Elsabet Bilse sein.
 

II.

Die 1547 genannte Grundstücksbesitzerin Elsabet Bilse wäre dann wohl die Mutter von Henn Bilse der 1577 ein Kirchengut als Lehen hat, was von der Generationenfolge bzw. dem Alter her stimmig wäre.
 

III.

Ein Henn (Johannes) Bilse wäre dann wiederum der Vater von  Henchen Bilse, der 1596 als Zahler der Türkensteuer genannt wird.
 

IV.

Henchen (Johannes) Bilse wäre dann wahrscheinlich der Vater von Johannes Bilse d.Ä., vielleicht aber auch der Großvater. Ob die als Forstleute genannten Thiel Bilses in diese Kette gehören, ist nicht zu klären. Wenn aber das landwirtschaftliche  Lehen vererbt wurde, scheint es zumindest nicht so sehr wahrscheinlich.

V.

Johannes Bilse d.Ä. scheint mit relativer Sicherheit der erste nachweisbare Vorfahr zu sein, denn: Waren die genannten   bekannten vier Generationen I.- IV. allenfalls Hypothesen, so bewegen wir uns abder V. Generationen auf einem  gesicherten Terrain.

Betrachten wir also die genealogischen Abfolgen, soweit sie uns realistisch erscheinen in den nachfolgenden Seiten, beginnend mit Johannes Bilse d.Ä.

 

Die Nachkommen Bilse - hier mit der Annahme, dass Hermann Bilse der Uasgangspunkt sein kann:

 

4818L1

4818L2a

V2